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Berichte und Meldungen der Domfestspiele 2013
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Gewaltige Kulisse, professionell in Szene gesetzt: die Fassade des Doms von St. Blasien beim Festspiel „Sturm am Dom“ Foto: Sebastian Barthmes

"Sturm am Dom": Beeindruckendes Gesamtkunstwerk

Der Zürcher Regisseur Christian Seiler hat die vierten Domfestspiele St. Blasien inszeniert. "Sturm am Dom" ist alles andere als eine trockene Geschichtslektion, sondern ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk.

Badische Zeitung vom 16.08.2013
ST. BLASIEN. Was für eine Bühne! Was für eine Kulisse! Es ist schlicht überwältigend – das Wort ist hier am Platz – , wie sich die Fassade des Doms von St. Blasien mit ihrem wuchtigen Säulensextett und die mächtige Kuppel mit dem dramatisch angestrahlten Kruzifixus vom erhöhten Standort der Zuschauertribüne aus zeigen: Für fast drei Stunden wird man den Blick nicht lösen können und nicht lösen wollen von diesem grandiosen Bauwerk, das es in den Schwarzwaldort verschlagen zu haben scheint – seinerzeit, Ende des 18. Jahrhunderts, die drittgrößte Kuppelkirche Europas, man stelle sich das vor! Kein Wunder, dass auch der Zürcher Regisseur Christian Seiler der Faszination des Ortes erlegen ist – und man darf es vorweg nehmen: Seine künstlerische Zusammenarbeit mit den St. Blasier Domfestspielinitiatoren Wolfgang Endres, der die Textvorlage geliefert hat, und Johann Meier, der als ehemaliger Bürgermeister die Produktionsleitung innehatte, ist ein Glücksfall für die seit 1993 im siebenjährigen Rhythmus stattfindenden Festspiele.
"Sturm am Dom" heißt das vierte Freilichtspiel: Und wer dachte, damit sei einmal mehr das traumatische Ereignis in der Geschichte St. Blasiens gemeint: der verheerende Brand im Jahr 1874, dem die Kuppel und weitere Gebäude des früheren Klosters zum Opfer fielen, sah sich getäuscht. Zwar ist das in der in dem säkularisierten Gebäudekomplex untergebrachten Spinnerei entstandene Feuer dramatischer Ausgangspunkt der Geschehnisse. Aber durch neun so genannte Zeitfenster schaut immer wieder die deutsche Geschichte aus den vier Jahrzehnten bis zur Einweihung des Wiederaufbaus im Vorkriegsjahr 1913 auf der panoramabreiten Bühne vorbei, deren Auf- und Unterbauten unauffällig elegant mit der Domfassade harmonieren.

Doch es wird hier alles andere als eine trockene Geschichtslektion geboten: wie es dem Regisseur und seinem Leitungsteam gelungen ist, über 300 Mitwirkende zu lebenden Bildern zu formieren, wie Einzel- und Massenszenen ineinandergreifen, wie auf dem riesigen Laufsteg über die gesamte Breite des Doms ständig alles in Bewegung ist: Das ist schon atemberaubend.

Man kann ja nur ahnen, wie viel Arbeit in dieser Inszenierung steckt. Allein die von sechs St. Blasier Schneiderinnen, die zu Recht im Programmheft erwähnt werden, in Zusammenarbeit mit der Kostümdesignerin Tanja Liebermann genähten Kostüme lassen staunen. Sie vor allem sorgen für das liebevoll ausgepinselte historische Kolorit der Inszenierung: von der Trachten- bis zur Pickelhaube, vom Arbeiterinnenkopftuch bis zum kapriziösen Jahrhundertwendehut, von der Schlägermütze bis zum Honoratiorenzylinder. Denn es geht in "Sturm am Dom" vor allem um die sozialen Spannungen im Kaiserreich, um das Erstarken der Sozialdemokratie und den ebenfalls erstarkenden Nationalismus, um das ganze üble Gebräu aus Autoritätsgläubigkeit, Rassismus und Selbstüberschätzung, das in die Katastrophe des Ersten und dann auch Zweiten Weltkriegs führte.

Wie ein immer wieder im Scheinwerferkegel erscheinendes Menetekel thront Kaiser Wilhelm während der gesamten Aufführung hoch oben auf der Fassadenbalustrade, direkt neben dem Gekreuzigten, und regiert sein Volk, das er nach seiner Abdankung als "Schweinebande" bezeichnete, mit markigen Sprüchen: ein treffendes Bild grenzenloser Anmaßung. Links zu seinen Füßen – wo sonst – agieren und agitieren an einem wuchtigen Holztisch die evangelischen Spinnereiarbeiter von St. Blasien, angeführt von jenem Lukas Bockler (Marco Stocker), der mit 14 wider Willen zum Brandstifter geworden war: Nun zündelt er im übertragenen Sinn, will seine Kollegen zu gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit rebellierende Genossen machen. Im Obrigkeitsstaat gelingt ihm das nur sehr bedingt: Immerhin können die Arbeiter den 1. Mai als Errungenschaft feiern, während unten, im Unterbauch von Gesellschaft und Bühne, weiter die Maschinen rattern und Menschen zu Automaten machen. Die Choreografen Christine Freitag und Uwe Schlottermüller – man muss sie unbedingt erwähnen – haben nicht nur in diesen stummen Szenen großartige Arbeit geleistet.
Rechter Hand sitzen die katholischen Bürger und ihre Gattinnen an zarten Tischen und mokieren sich über das Ansinnen des Volkes, mitbestimmen zu wollen; späterhin – Zeitfenster "1907" –, in der Belle Epoque, findet sich am selben Platz der kurende europäische Adel ein, der in seinen letzten Zuckungen liegt, es nur noch nicht weiß. In der Mitte treffen Arbeiter und Bürger immer wieder konfliktreich aufeinander: Eine verbotene Liebe zwischen der Amtsrichtertochter Rosa (Sonja Glock) und Lukas’ jüngerem Bruder David (Daniel Riniker) steht im Zentrum der Auseinandersetzungen. Zwar erklimmt der junge Romeo eine Leiter zur Geliebten: Doch Rosa ist nicht Julia. Sie heiratet einen anderen, einen Standesgemäßen, den notabene unangenehmen Sohn des Bankdirektors, während ihre Schwester Sissi (Friederike Roelcke) von einem Leben im damals noch freien Amerika mit dem ausgewanderten Rebellen Lukas träumt.

Träume schlagen manchmal hart auf in der Realität, manchmal gehen sie aber auch in Erfüllung. Der Traum der St. Blasier von den Stadtrechten wird 1897 Wirklichkeit – und immer wieder greift die Regie zum Mittel der gestischen Ironie, um jeden Verdacht von Heimattümelei im Keim zu ersticken: Was müssen sie buckeln, die Honoratioren des aufstrebenden Kur- und Lungenheilorts, vor seiner Exzellenz, dem Großherzog von Baden, um endlich die begehrte Urkunde in Händen zu halten. Und wie herrlich sinnlos, dafür aber umso präziser paradieren und exerzieren Kaiser Wilhelms Soldaten vor den St. Blasiern. Äußerst vergnüglich ist der Auftritt des Flottenadmirals Alfred von Tirpitz geraten, der ausgerechnet von St. Blasien aus die Weltmeere erobern will. Überzeugend und glücklich ist auch der reichliche Einsatz der Musik: von den religiösen wie weltlichen Liedern des Chors – Höhepunkt: "Die Gedanken sind frei" – über die Kampfgesänge der Arbeiter und die patriotischen Hymnen der Militärs bis zu eingespielter Salonmusik und sinfonischen (Wagner-)Klängen bildet das Klangdesign (Max Treier) die vielstimmige heterogene gesellschaftspolitische Atmosphäre der Zeit ab, die mit dem Dreikaiserjahr 1888 ihren verhängnisvollen Lauf nahm.

Unter die Haut geht das Finale: Statt die Weihe des wiederhergestellten Doms zum Triumph werden zu lassen, liegen die Schatten des kommenden Krieges über dem Festakt. Das drohende Gewitter geht in Geschützdonner über. Und es wird still, ganz still auf der Bühne – bevor Verse aus Goethes Gedicht "Willkommen und Abschied" das letzte Wort haben. Die Dichter hat man im Getöse der Politik nie gehört. Das ist und bleibt ein Fehler. Das Gesamtkunstwerk "Sturm am Dom" sollte man sich nicht entgehen lassen. Eindrucksvoller lassen sich 100 Jahre "neuer" Dom nicht feiern.
Autor: Bettina Schulte



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Rosa und David, katholische Bürgerstochter und evangelischer Arbeitersohn, kommen
wie Romeo und Julia nicht zueinander. Foto: Sebastian Barthmes

Applaus für ein grandioses Gesamtkunstwerk

Das Premierenpublikum von „Sturm am Dom“ sparte nicht mit Anerkennung für Schauspieler und Produktion der mitreißenden Inszenierung.

Badische Zeitung vom 16.08.2013
ST. BLASIEN. "Theater macht dann wahrhaft Sinn, wenn es so spannend wie ein gutes Fußballmatch und so aufregend wie eineleidenschaftliche Liebesbeziehung sein kann", schreibt der Regisseur der Domfestspiele St. Blasien 2013, Christian Seiler, im Programmheft. Die Umsetzung dieses Statements konnte ein begeistertes Premierenpublikum am Mittwochabend hautnah erleben.
Wie in einem Brennspiegel wird in neun Zeitfenstern in diesem Stück die Kaiserzeit der Hohenzollern anhand der Geschichte St. Blasiens sichtbar, beginnend mit dem Brand des Doms im Jahr 1874 und endend mit der Domweihe im Vorkriegsjahr 1913. Diese Zeit der Belle-Epoque mit ihrem besonderen Charme, aber auch ihren kräftigen Gegensätzen, faszinieren den Regisseur eigener Aussage zufolge ganz besonders, und diese Faszination hat er gemeinsam mit über 200 Mitwirkenden sowie unzähligen weiteren ehrenamtlich Tätigen hinter den Kulissen in Form eines grandiosen Gesamtkunstwerkes aus Schauspiel, Tanz, Musik und Licht in Szene gesetzt.
Atmosphärisch besonders eindrücklich sind die Kurhausszenen des zweiten Teils einschließlich dreier Visionen sowie der Domweihe, die überschattet wird vom Vorgriff auf das im Folgejahr beginnende Kriegsgeschehen, aber auch der Zusammenprall von Arbeiterschicht und Bürgertum im ersten Teil, in dem allgemein die dramatischen Passagen überwiegen.
Pfiffige Ideen charakterisieren die Inszenierung. Der leitmotivisch eingesetzte Vorhaltsakkord, der immer wieder am Szenenbeginn zum Abreißen des riesigen Kalenderblattes eingesetzt wird, erzeugt in genialer Weise auf Anhieb Spannung. Die Ausbeutung der Arbeiterschicht wird künstlerisch umgesetzt, indem sich die Spinnmaschinenarbeiterinnen in einem mit Spinnmaschinengeräuschen hinterlegten Tanz quasi in ihre eigenen Maschinen verwandeln, und das so gekonnt, dass sie sich dafür auch in den kommenden Aufführungstagen garantiert einen Szenenapplaus einfangen werden. Die ehrenwerten Bürger sehen aus einiger Entfernung leicht amüsiert zu, wie ihre Frauen all ihre Contenance fallen lassen, um nur ja als Erste das Brautpaar zu Gesicht zu bekommen. Andererseits buckeln sie selbst derart übertrieben ehrerbietig vor der Obrigkeit, dass sie die volle Distanz von den Säulen des Doms bis zur vorderen Bühnenrampe gebückt hinter sich bringen – womit ihnen natürlich das herzhafte Lachen des Publikums sicher ist.
Die Schlüsse selbst sind eher leise, nachdenklich, ja intim. Vor der Pause verabschiedet der Chor die unglücklich Liebenden mit einem zarten letzten "…dein Eigen will ich sein… bis an das Ende mein", und Rosa rezitiert im Anschluss an die Vision des bevorstehenden Krieges ganz am Ende die ergreifenden, dem großen Goethe abgelauschten Verse "Du gingst, ich stund und sah zur Erden / Und sah dir nach mit nassem Blick. / Und doch, welch Glück, geliebt zu werden, / Und lieben, David, welch ein Glück!"
Nochmals der Klavierakzent, die letzte Ziffer fällt ab, wir befinden uns in der Gegenwart, eingehüllt von völliger Dunkelheit. Mit dem Licht brandete lang anhaltender Applaus auf – der Abschluss einer rundum gelungenen Premiere, bei der Darsteller wie Produktion gleichermaßen gefeiert wurden. Den größten Schlussapplaus indes ernteten, völlig zu recht, die jugendlichen Darsteller, die ein solches Tempo an den Tag legen, so viel Drive, Lebendigkeit und Emotionsgeladenheit über die Rampe bringen, dass man
einfach mitgehen muss.
Autor: Karin Steinebrunner




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Die Domfestspiele in neuem Licht und neuem Ton

Lichtdesignerin Petra Waldinsperger (siehe Foto Lichtprobe oben und Galerieseite) und Klangdesigner Max Treier schaffen spektakuläre Effekte

Ausführliche Informationen hierzu in der siehe Spalte Pressemitteilungen oben rechts.



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Hervorragende Sicht auf die Bühne

Die Tribüne ist so konstruiert, dass von allen drei Blöcken aus eine gute Sicht auf die Bühne gewährleistet ist.

Weitere Tribünenfotos finden Sie auf der Ticketseite.


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Festspiele mit Rekordbühne – 1000 Quadratmeter bespielbare Fläche haben die Kulissenbauer in vielen Monaten aufgebaut.

Badische Zeitung Artikel vom 3. August 2013

ST. BLASIEN. Vier Ebenen, wenn man den Domplatz mit einrechnet, 1000 Quadratmeter bespielbare Fläche – die Bühne, die von den Bühnen- und Kulissenbauern aufgebaut wurde, ist riesig. Von der ersten Idee bis zur Verwirklichung der Pläne hat es eineinhalb Jahre gedauert.
Aus 20 Leuten bestehen die Kulissenbauer. "Es ist eine gute und stabile Truppe, in der jeder dort mitarbeitet, wo gebraucht wird", sagt Johann Meier. Zuverlässig habe das Team zusammen mit den Mitarbeitern des Bauhofes die Herausforderung gemeistert, die bisher größte Domfestspielbühne zu bauen.
Am Anfang sei die Idee des Regisseurs Christian Seiler gewesen – auf mehreren Ebenen wollte er die Handlung präsentieren. Eine große Überraschung sei beispielsweise gewesen, dass Seiler die Bühne zwei Meter über dem Domplatz bauen lassen wollte. Lange grübelten die Verantwortlichen darüber, wie man technisch, personell und finanziell das Bühnenbild verwirklichen könnte. Aus den ersten Zeichnungen des Regisseurs wurden ein Modell und schließlich genaue Pläne. Die waren die Grundlage für Angebote, die Meier bei Anbietern von Festspielbühnen in ganz Deutschland einholte. Wegen der erhöhten Bühne konnten dann auch die Tribünen nicht schon auf dem Domplatz beginnen – das war eine zusätzliche finanzielle Herausforderung, sagte Meier.
Bis zum Oktober dauerte es, bis sich das Team schließlich sicher war, dass die Pläne umgesetzt werden können. Verschiedene Elemente, zum Beispiel die Podeste für den Chor oder die Treppen, baute die Gruppe im Winter im Bauhof vor. Schließlich fingen die Ehrenamtlichen im Mai an, die beiden Rampen zu zimmern und die beiden Türme aufzubauen.
Alles geschah ehrenamtlich. Um die eingesetzte Freizeit möglichst gut zu nutzen, seien alle Arbeitseinsätze sehr genau und langfristig geplant worden. Wenn man sich dann abends und samstags traf, folgte eine Besprechung und alle fingen an zu werkeln.
Es sei wie bei einem normalen Hausbau gearbeitet worden, denn die Sicherheit sei sehr wichtig, sagt Johann Meier. Die beiden Türme stellen das Kurhausgebäude und ein Bürgerhaus dar, der Kurpark hat ebenso seinen Platz auf der Bühne, wie der Stammtisch und der Chor. Ganz unten auf dem Domplatz spielt sich das Leben der Arbeiter ab.
Auch unter der Bühne war einiges zu tun. Dort haben die Kulissenbauer Gänge geschaffen, damit die Darsteller schnell und möglichst ohne die Vorstellung zu stören die Positionen wechseln zu können. Dort ist auch Platz für Requisiten geschaffen worden, die dann vom Technikteam während der Aufführungen rechtzeitig auf ihren Platz geschoben und wieder abgeräumt werden.
Rund 40 Kubikmeter Holz haben die Kulissenbauer für die Domfestspiele verbaut. Das reiche für mehr als ein Haus, sagte Meier und fügt an: "So groß waren wir noch nie."
In der kommenden Woche werden dann die drei Zuschauertribünen aufgebaut. Dann ist die Arbeit der Kulissenbauer, die rund 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet haben, erledigt – sie wechseln die Rollen und werden Teil einer der vielen Darstellergruppen. Zu Kulissenbauern werden sie dann wieder bei den nächsten Domfestspielen.
Der Abbau sei dann Sache der Stadtarbeiter, die bis dahin auch schon mehrere hundert Arbeitsstunden für die Domfestspiele investiert haben.
Autor: Sebastian Barthmes




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Zeitplan: Projektphasen Domfestspiele 2013

Projektphase I
 Vorbereitung der Inszenierung:
• Darstellerworkshops I Dezember 2011 – Februar 2012: Kennenlernen der verbindlich interessierten SpielerInnen (auch im Hinblick Rollenverteilung), handwerkliche Grundlagen des Spiels I

• Darstellerworkshops II April/Mai – Juli 2012: Szenen- und Rollenimprovisation, Handwerkliches Training und Grundlagen II

• Parallel Kontakt, Besprechung, Planung mit Mitwirkenden in allen anderen Bereichen


Projektphase II: August/September 2012 - Juni 2013
• Rollenverteilung, Stückproben, handwerkliches Training

• konkrete Erarbeitung aller Inszenierungselemente (Bühne, Kostüme, Musik etc.)


Projektphase III: Juli – 14. August
• Intensiv- und Endproben
> Zusammenführen aller Inszenierungselemente 


Projektphase IV: 15. – 18. / 25. August
• Aufführungen



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Handlung soll bis zum Schluss fesseln

Badische Zeitung Artikel vom 13. Mai 2013

ST. BLASIEN. Nach der von Regisseur Christian Seiler langfristig angekündigten Probenpause hat die nächste Phase der Domfestspielvorbereitungen begonnen. Mitgebracht hat Seiler aus Zürich den überarbeiteten zweiten Teil des ‚Sturms am Dom’. Er betonte dabei, dass der erste, bereits in wesentlichen Punkten szenisch angelegte Teil, der vor der Arbeitspause in einem ersten Durchlauf für alle nachvollziehbar wurde, etwa zwei Drittel der Aufführung ausmacht.
Seiler legte allen Mitwirkenden mit Nachdruck ans Herz, ihren Blick in erster Linie aufs Ganze und nicht auf den Einzelauftritt zu richten. Denn es gelte, ein großes Gesellschaftspanorama aufzuzeigen, in dem jedes kleine Detail stimmig und als wichtiges Element eines dramatischen Gesamtbildes erkennbar sein solle.

Damit die Aufmerksamkeit des Zuschauers nicht nachlasse, müsse der zweite Teil besonders dicht und straff gestaltet sein. In der ursprünglichen Textvorlage von Wolfgang Endres habe der zweite Teil vorwiegend aus öffentlichen Akten bestanden – einer Hochzeit, dem "Hohen Besuch" des Großherzogs von Baden und des Admirals Tirpitz, der Domweihe im Jahr 1913.

Dramatische Szenen sorgen für spannende Unterhaltung

Im Dialog mit dem Autor habe er nun versucht, durch einen Wechsel zwischen öffentlichen Ereignissen und der Fortführung der im ersten Teil angelegten privaten Familiensaga den Ablauf noch spannender zu gestalten.

Der zweite Teil beginnt mit einer Wagnerfanfare im Blick auf eine aufgescheuchte Hochzeitsgesellschaft – und könne so das Publikum auch nach der Pause und zu vorgerückter Stunde neu fesseln.

Ironisierende Momente prallen immer wieder auf das Hochzeitsidyll. Der Blick fokussiert sich auf die Diskussion des Themas Liebe zwischen dem verschmähten David und Hildegard, der Schwester der Braut, wandert dann zurück zu den Ehrenbezeugungen gegenüber dem hohen Besuch. Auch die hohen Herrschaften werden ironisch in ihrer Ambivalenz gezeigt, was wiederum darin gipfelt, dass der gekränkte David sich gegenüber seiner geliebten, nun aber mit dem Bankierssohn Otto Schlicht verheirateten Rosa Schnecker wütend Luft macht.

Neben diesem mehrfach kommentierten Blick auf die verschlungenen Pfade von Pflicht und Neigung soll der Reiz des zweiten Teils vom "Sturm am Dom" wesentlich darin bestehen, ein lebendiges Bild der Belle Époque auf die Bühne zu bringen. Der Kurort St. Blasien soll in seiner vollen Blüte in Erscheinung treten. Aus diesem bunten Kaleidoskop großbürgerlicher und adliger Flaneure strahlen drei Visionen hervor, zum einen die des Baues einer russisch-orthodoxen Kirche, dann die von der jüngsten Schnecker-Tochter Sissi genährte Vision des nach Amerika ausgewanderten Lukas Bockler und drittens die der 1807 aus St. Blasien vertriebenen Mönche, die plötzlich unter den zahlreichen Vereinen der Domstadt erscheinen.

Zur feierlichen Domweihe von 1913 treten schließlich weitere Honoratioren auf, einen Schlussakzent wird nochmals ein Auftritt von Kaiser Wilhelm II. bilden.

Um eine dramatische Gruppenaktion zu erzielen, ist jeder Spielende – egal ob handlungstragende Figur oder Gruppendarsteller – gefordert, sich als eigenständiges Individuum zu profilieren; als hehres Ziel formulierte Seiler die Erstellung einer großen szenischen Partitur, in der quasi jeder einzelne Schritt, den irgend einer der rund 200 Mitwirkenden tut, seine genau definierte Stelle hat und so dem Gesamtbild zu seiner unnachahmlichen Wirkung verhilft. "Es wird eine große und schöne, aber auch anstrengende Aufgabe für alle, die gut 50 Meter breite Bühne präzise zu füllen", prophezeite Seiler.

Bis Ende Mai hat er Figurenproben angesetzt, der Juni wird auch der Gruppenarbeit dienen, die jedem Mitwirkenden als Figur Eigenleben verleihen soll.

Als Vorbilder nannte Seiler in diesem Zusammenhang die vor Details strotzenden Bilder des berühmten Genremalers Pieter Bruegel, aber auch Viscontis Verfilmung von Thomas Manns "Tod in Venedig", aus der er eine kurze Szenenfolge zeigte, um die spezielle Atmosphäre der Belle Époque zu verdeutlichen.

"Das sind alles kleine Miniaturen, und jede einzelne muss stimmen, damit alle zusammen ein Ganzes bilden, und so spannend sein, dass die Zuschauer gar nicht mehr wissen, wo sie zuerst hinschauen sollen", formulierte Seiler sein Ideal. Hierzu, so der Appell des Regisseurs an die Mitwirkenden, sollten sie dieses Jahr eindeutig dem einmaligen, unwiederholbaren "Sturm am Dom" Priorität einräumen.

Und mit den Worten "in Anlehnung an Viscontis Meisterwerk ist es mein Ehrgeiz, dass jeder so stimmig wie möglich eingekleidet ist", lud Seiler abschließend für Samstag zu einem ersten Fototermin mit Kostümen ein, von denen Mitte der Woche aus einem Theaterfundus schon eine erste Ladung nach St. Blasien gebracht wurde, um die aktuellen Domfestspiele besonders genau auszustatten.

Karten für die Domfestspiele gibt es bei allen Geschäftsstellen der Badischen Zeitung und bei den Touristinformationen der Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft.

Autor: Karin Stöckl-Steinebrunner



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200 Mitwirkende bei Freilichtspiel im August

Südkurier Artikel vom 23. März 2013



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Actionthriller und Liebesdrama

Badische Zeitung Artikel vom 04. Februar 2013

ST. BLASIEN. In der Nacht zum Blasiustag 1874 zerstörte ein Feuer den Dom. Und genau passend fand am Samstag, dem Vortag des diesjährigen Blasiustages, die erste Durchlaufprobe zum "Sturm am Dom", dem Domfestspiel 2013, im Kursaal statt. .

Spannende Unterhaltung pur

ST. BLASIEN. Von der Decke hängen die fröhlich bunten Narrenfähnchen des Gaudi-Hans, auf den Gesichtern der Anwesenden jedoch spiegelt sich blankes Entsetzen: Der Dom brennt! Lautes Krachen, der Pfarrer betet, die Menge stimmt ein.
"Ein faszinierendes Schauspiel", wird eine der Bürgersfrauen am Ende der Löschaktion in der noch hautnahen Erinnerung an diesen grauenhaft gigantischen Brand in der
Nacht zum Blasiustag 1874 ausrufen. Und genau passend fand am Samstag, dem Vortag des diesjährigen Blasiustages, die erste Durchlaufprobe zum "Sturm am Dom", dem Domfestspiel 2013, im Kursaal statt.
Dieser "Sturm am Dom" ist historisches Sittengemälde, Actionthriller und Liebesdrama in einem – kurzum: spannende Unterhaltung pur. Das hohe Tempo der kurzen, knackigen Szenen in Verbindung mit dem häufigen Perspektivwechsel lässt den Blick in keiner Sekunde los. Die Atmosphäre, das Lokalkolorit, der Zusammenprall unterschiedlicher Gruppen, das alles macht dieses Schauspiel wesentlich aus. Die Handlungsstränge fügen sich dem organisch ein.
Der Blick wechselt mehrfach von der Großaufnahme auf die Brandkatastrophe hinüber in den quasi intimen Bereich der Familie Bockler, deren Sohn Lukas der konkrete Auslöser für den Brand war. Die Ambivalenz der herrschenden Klasse äußert sich in der Großzügigkeit des Fabrikdirektors gegenüber dem geretteten Lukas einerseits und der
ausbeuterischen Arbeitswelt in der wieder aufgebauten Fabrik andererseits, symbolisch dargestellt durch die zu Maschinen degradierten Arbeiterinnen. Doch auch hier zeigt
sich eine dem sozusagen entseelten Maschinentanz innewohnende faszinierende Ästhetik. In solchen Momenten geht die Inszenierung weit über eine möglichst genaue
Rekonstruktion geschichtlicher Ereignisse hinaus, auch wenn – dem Wunsch Christian Seilers gemäß – in den Reihen der Aktiven bereits etliche Vollbärte zu sprießen
begonnen haben, um dem historischen Ambiente möglichst weitgehend gerecht zu werden.
Die unterschiedlichen Welten der Bürgerlichen und der Arbeiter manifestieren sich nicht nur an den promenierenden Honoratioren und dem Arbeiterstammtisch, sondern auch an den heftigen Zusammenstößen der Jugend. Hierzu im Gegensatz steht wiederum das sonntäglich bunte Treiben der gesamten Bevölkerung, das einen Trupp exerzierender Soldaten ebenso selbstverständlich einschließt wie ein geselliges Tänzchen.
Einer der Höhepunkte dieser Durchspielprobe war – neben den äußerst lebendigen Szenen der Jugendlichen untereinander – mit Sicherheit die Schulszene, in der Lehrer Kühner David mit der Rute spüren lässt, dass er der Bruder von Lukas ist. Die Situationen spitzen sich zu, sowohl im öffentlichen wie im privaten Bereich. Die Arbeiter feiern die Ergebnisse des Pariser Sozialistenkongresses, in der Familie Schnecker brodelt es gewaltig angesichts der Zuneigung, die Schneckertochter Rosa zu David Bockler empfindet.
Hatte der Chor beim Gespräch zwischen Lukas Bockler und seinem Bruder David kommentierend gesungen "Die Gedanken sind frei", so lautet sein Kommentar zu Davids Gefühlen gegenüber Rosa mit einem Satz aus den "Neuen Teutschen
Gesängen" Hans Leo Hasslers von 1596 "Herzlieb zu dir allein steht Tag und Nacht mein Sinn".
Am Ende der gut dreistündigen Durchlaufprobe verabschiedete Regisseur Christian Seiler die Akteure in die nun folgende, bis zum 20. April dauernde Probenpause mit den Worten, er sei sehr gerührt über das soeben erlebte Engagement aller und gehe zuversichtlich in diese Pause, habe er doch deutlich den lebendigen Funken gespürt.
Auch Wolfgang Endres erklärte, zwar habe er das Kind, das er aus den Händen gab, nur bedingt wiedererkannt, aber er sei dennoch stolz darauf, was daraus geworden sei.
Daraufhin schloss er Seiler stellvertretend für alle Anwesenden in seine Arme, der seinerseits versicherte, er schätze die Großzügigkeit, mit der der Autor Endres sein
Stück ihm zur Bühnenbearbeitung überlassen habe, außerordentlich hoch. Johann Meier betonte, Christian Seilers Engagement reiche weit über die normale Arbeit eines Regisseurs hinaus. Abschließend bat er die Anwesenden, in die Bevölkerung hinauszutragen, auf welch beeindruckendes Ereignis diese Durchlaufprobe hoffen lasse.
Autor: Karin Stöckl-Steinebrunner
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